Sammeln von Ameisenköniginnen und Ameisenkolonien
Möchte man sich keine Ameisenkönigin oder komplette Kolonie kaufen, besteht natürlich auch die Möglichkeit, diese selbst zu sammeln.
Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, aber auch einige Dinge, die man aus rechtlichen oder ethischen Gründen vermeiden sollte.
Hinweis: Die folgenden Einschätzungen, was man aus meiner persönlichen Sicht guten Gewissens tun kann und was nicht, basieren auf meinen eigenen ethischen Grundsätzen. Informationen zur rechtlichen Situation findest du im Bereich ↪ Rechtliches.
Was man reinen Gewissens machen kann
Die einfachste und für die meisten Arten sinnvollste Methode ist das Sammeln von begatteten Königinnen nach dem Schwarmflug.
Für viele Arten ist dies die schonendste und gleichzeitig erfolgversprechendste Möglichkeit, eine eigene Kolonie zu gründen.
Wo suchen?
Je nach Art unterscheiden sich die bevorzugten Lebensräume deutlich.
Manche Arten findet man eher in Wäldern oder an Waldrändern, auf Wiesen, an Feldwegen, auf offenen vegetationsarmen Flächen oder auf Parkplätzen oder befestigten Wegen.
Gerade größere freie Flächen können gute Fundorte sein, da die Königinnen nach dem Schwarmflug häufig längere Zeit auf der Suche nach einem geeigneten Nistplatz verbringen.
Wann suchen?
Auch der Zeitpunkt spielt eine große Rolle.
Einige Arten schwärmen bevorzugt morgens, mittags, abends oder in den frühen Nachtstunden.
Auch Jahreszeit und Wetterbedingungen unterscheiden sich teilweise erheblich.
Zur Orientierung helfen sogenannte Schwarmflugtabellen, in denen bekannte Schwarmzeiten und Bedingungen vieler Arten zusammengetragen werden.
Meine Schwarmflugtabelle findest du hier:
Kleine Arten und Kleinsthabitate
Wer gezielt nach kleineren Arten wie Temnothorax, Leptothorax oder ähnlichen Arten sucht, kann auch direkt nach den Nestern Ausschau halten.
Diese Arten leben häufig in sehr kleinen Habitaten wie Eicheln, kleinen Ästen, Gallen, Zweigen und anderen kleinen Hohlräumen.
Gerade bei Temnothorax lohnt sich häufig ein Blick auf ältere Eicheln mit kleinen Löchern. Mit etwas Glück findet man darin eine komplette Kolonie.
Hinweis: Die Kömiginnen von Temnothorax und Leptothorax wechseln während der warmen Jahreszeit teilweise zwischen verschiedenen Zweignestern. Deshalb empfiehlt sich die Suche eher im Früh- oder Spätjahr.
Größere Nester nur mit Bedacht
Auch größere Kolonien lassen sich teilweise sammeln. Allerdings nur dann, wenn sich das Nest ohne größere Zerstörung entnehmen lässt.
Beispiele wären frei zugängliche Kartonnester (z. B. Crematogaster scutellaris) und Kolonien in Totholz (z. B. Myrmica sp.).
Hier sollte immer möglichst schonend und mit gesundem Menschenverstand vorgegangen werden.
Was man vermeiden sollte oder nicht darf
Geschützte Arten sammeln
Geschützte Arten sollten grundsätzlich nicht gesammelt werden. Unabhängig davon, ob es sich um Königinnen, Arbeiterinnen oder Männchen handelt.
Informationen zu besonders geschützten Arten findest du hier:
↪ Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) - Anlage 1
(Ameisen sind bei den Hautflüglern / Hymenoptera zu finden.)
Erdnester ausgraben
Das Ausheben von Erdnestern sollte man aus meiner Sicht grundsätzlich vermeiden, wenn es sich nicht um ein Nest handelt, welches durch Baumaßnahmen o.ä. beschädigt werden würde.
Gerade bei monogynen Arten ist die Wahrscheinlichkeit oft sehr gering, die Königin überhaupt lebend zu finden.
Aber selbst wenn sie gefunden wird, entsteht häufig erheblicher Schaden. Arbeiterinnen gehen verloren, Brut wird zerstört, Teile der Kolonie werden verschüttet.
Besonders bei größeren Kolonien kann das schwerwiegende Folgen haben.
Die Königin ist häufig bereits an die Versorgung durch eine große Kolonie angepasst. Gehen zu viele Arbeiterinnen verloren, können Brutpflege und Versorgung zusammenbrechen. Im schlimmsten Fall mit dem Verlust der gesamten Kolonie.
Der mögliche Nutzen steht hier aus meiner Sicht meist nicht im Verhältnis zum Schaden.
Königinnen mit Flügeln
Königinnen, die ihre Flügel noch tragen, sollten möglichst nicht gesammelt werden. Sinnvoller ist es, nur Königinnen mitzunehmen, die ihre Flügel bereits selbstständig abgeworfen haben.
Der Hintergrund: Eine Königin mit Flügeln kann unter Umständen noch unbegattet oder nicht ausreichend begattet sein.
Viele Ameisenköniginnen paaren sich während des Schwarmfluges mehrfach, teilweise mit zahlreichen Männchen, um genügend Samenvorräte für ihr gesamtes Leben anzulegen. Nur mit ausreichend gespeicherten Spermien kann eine Königin über viele Jahre hinweg kontinuierlich neue Arbeiterinnen hervorbringen.
Ist die Begattung nicht erfolgreich oder unvollständig, kann dies zu einer erfolglosen Gründung führen oder später dazu, dass die Kolonie nur für begrenzte Zeit Arbeiterinnen produziert.
Wird eine Königin nach der Landung gestört, kann es vorkommen dass sie ihre Flügel nicht direkt abwirft, obwohl sie sich ausreichend gepaart hat. Da man das jedoch nicht erkennen kann, sollte man auf Nummer sicher gehen und sie ziehen lassen.
Nicht wahllos sammeln
Zum Schluss noch ein persönlicher Punkt: Bitte sammle nicht wahllos große Mengen an Königinnen.
Ein oder zwei Ersatzköniginnen mitzunehmen, falls eine Gründung fehlschlägt, ist aus meiner Sicht nachvollziehbar. Dutzende Königinnen einzusammeln, nur weil sie gerade häufig zu finden sind, halte ich dagegen für unnötig.
Auch wenn manche Arten während des Schwarmfluges scheinbar „überall“ unterwegs sind, schaffen es nur vergleichsweise wenige Königinnen langfristig eine stabile Kolonie aufzubauen.
Jede einzelne Königin ist letztendlich ein Teil eines funktionierenden Ökosystems – und sollte auch entsprechend behandelt werden.