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Nico's Ameisen

Haltungsberichte und Informationen

Die passende Ameisenart wählen

Bevor man ein Formicarium kauft oder baut, sollte zuerst feststehen, welche Ameisenart man halten möchte.

Das klingt vielleicht etwas ungewohnt, ist aber einer der wichtigsten ersten Schritte in der Ameisenhaltung. Jede Art hat eigene Ansprüche an Nest, Arena, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Futter, Platzbedarf und Winterruhe.

Ein schönes Formicarium bringt wenig, wenn es nicht zu den Bedürfnissen der späteren Bewohner passt.

Darum gilt: Erst die Art wählen, dann das Setup planen.

Mit welcher Art sollte man anfangen?

Für den Einstieg empfiehlt sich eine robuste und gut dokumentierte Anfängerart.

Damit sind Arten gemeint, die typische kleine Fehler eher verzeihen und keine extrem speziellen Haltungsbedingungen benötigen.

Eine gute Einsteigerart sollte möglichst:

  • unkompliziert in der Haltung sein
  • gut verfügbare Informationen bieten
  • nicht zu teuer sein
  • nicht zu empfindlich reagieren
  • sich weder extrem schnell noch extrem langsam entwickeln
  • groß genug sein, um sie gut beobachten zu können

Sehr kleine Arten können zwar spannend sein, sind für Anfänger aber oft weniger geeignet, da Kontrolle, Fütterung und Beobachtung deutlich schwieriger werden.

Winterruhe berücksichtigen

Ein wichtiger Punkt bei der Artenwahl ist die Winterruhe.

Viele Arten benötigen eine Ruhephase, teils bei niedrigen Temperaturen. Je nach Art kann diese mehrere Monate dauern.

Das bedeutet in der Praxis: Über einen längeren Zeitraum ist wenig bis keine Aktivität zu sehen und die Kolonie muss eventuell deutlich kühler untergebracht werden. Das ist kein Nachteil, aber man sollte es vorher wissen.

Arten ohne Winterruhe wirken für Anfänger oft attraktiver, weil sie ganzjährig aktiv bleiben. Trotzdem kann eine Art mit Winterruhe sehr lehrreich sein, da man dadurch ein besseres Gefühl für den natürlichen Jahresrhythmus einer Kolonie bekommt.

Wehrhaftigkeit

Auch die Wehrhaftigkeit einer Art sollte man bei der Auswahl beachten.

Ameisen können sich je nach Art unterschiedlich verteidigen:

  • durch Beißen
  • durch Ameisensäure
  • durch Stechen

Bei den meisten klassischen Einsteigerarten ist das für gesunde Erwachsene normalerweise kein großes Problem. Dennoch sollte man vorsichtig sein, besonders wenn Allergien bekannt sind oder Kinder mit dem Hobby in Kontakt kommen.

Sehr große, aggressive oder stark stechende Arten sind für den Einstieg möglicherweise ungeeignet.

Beispiele für geeignete Einsteigerarten

Die folgenden Arten sind nur Beispiele und keine vollständige Liste.

Heimische oder europäische Arten mit Winterruhe

  • Lasius niger
  • Lasius flavus
  • Myrmica rubra
  • Camponotus vagus
  • Camponotus fusca

Diese Arten sind gut dokumentiert und bieten einen schönen Einstieg in die Ameisenhaltung. Besonders Lasius niger gilt als Klassiker unter den Anfängerarten.

Exotische Arten ohne klassische Winterruhe

  • Camponotus nicobarensis
  • Camponotus japonicus

Solche Arten bleiben meist auch im Winter aktiver, benötigen dafür aber dauerhaft passende Temperaturen und stabile Haltungsbedingungen.

Gerade bei exotischen Arten sollte man sich vorab besonders gut über Herkunft, Klimaansprüche und langfristige Koloniegröße informieren.

Einzelne Königin oder kleine Kolonie?

Eine weitere wichtige Entscheidung ist die Frage, ob man mit einer einzelnen Königin oder mit einer bereits gegründeten kleinen Kolonie startet.

Eine einzelne Königin ist spannend, weil man die Kolonie wirklich von Anfang an begleitet. Gleichzeitig braucht diese Phase Geduld und Ruhe. Die ersten Arbeiterinnen lassen oft Wochen oder Monate auf sich warten.

Für Anfänger ist eine kleine Kolonie häufig einfacher. Der Vorteil:

  • die Königin hat bereits erfolgreich gegründet
  • erste Arbeiterinnen sind vorhanden
  • Fütterung und Verhalten lassen sich früher beobachten
  • das Risiko einer erfolglosen Gründung ist überstanden

Wer möglichst viel vom natürlichen Start einer Kolonie erleben möchte, kann natürlich auch mit einer einzelnen Königin beginnen. Man sollte dann aber Geduld mitbringen und sich vorher gut über die Gründungsweise der jeweiligen Art informieren.

Wann sollte man Ameisen kaufen?

Auch der Zeitpunkt des Kaufs spielt eine Rolle.

Kauft man eine Kolonie kurz vor oder während der Winterruhe, muss man damit rechnen, dass zunächst mehrere Monate kaum Aktivität zu sehen ist.

Das kann für ungeduldige Anfänger etwas enttäuschend sein. Gleichzeitig lernt man dadurch direkt einen wichtigen Teil der Ameisenhaltung kennen: den natürlichen Jahresrhythmus.

Kauft man nach der Winterruhe, startet man meist mit deutlich mehr Aktivität. Die Kolonie beginnt wieder zu fressen, Brut aufzuziehen und zu wachsen.

Beides ist möglich. Für den Einstieg ist der Kauf nach der Winterruhe oft etwas motivierender, während der Kauf vor der Winterruhe eher etwas für geduldige Halter ist.

Nicht nur nach Aussehen wählen

Viele Arten sehen faszinierend aus, sind aber nicht automatisch gut für den Einstieg geeignet. Die schönste Art bringt wenig, wenn sie nicht zu den eigenen Möglichkeiten passt. Manche weniger spektakulär aussehenden Arten können stattdessen interessantere Verhaltensweisen haben.